Tipps und Tricks


1. Blätter bearbeiten
2. Welche Blattmarke, welches Blatt?
3. Growling
4. Zügiger Wechsel für die kleinen Finger
5. Welche Übungsliteratur hilft wirklich?
6. Die Zirkularatmung - das kleine Wunder
7. Die lieben Nachbarn - wann darf man wirklich üben
8. Der verklemmte Ansatz - weg damit!



1. Blätter bearbeiten

Bei aller Mühe der Hersteller, ein Blatt wirklich perfekt anzubieten, sind diese trotzdem in vielerlei Hinsicht verbesserungswürdig. Als erstes sei gesagt, daß der Blattisch (die Auflagefläche des Blattes) nie wirklich plan ist, so daß die Ansprache des Blattes meistens schlechter ist als sie sein könnte. Hier hilft ein einfacher Schleifklotz aus dem Baumarkt (ca.400er Körnung), für Snobs (wie mich) gibt es allerdings den Glasschleifftisch mit Glasgriffel von Vandoren für viel zuviel Euro (ca. 55). . Man legt das Blatt mit dem Tisch auf die Schleiffläche und schleift den Blattisch mit kreisenden Bewegungen plan. Dann die Blattoberfläche: Meistens etwas rauh, wenn nicht sogar faserig, klingt das Blatt nach dem glattschleifen mit Sandpapier (600) gleich schon viel gleichmäßiger und angenehmer. Diese Arbeiten sollte man sich zum Ritual machen, das genaue Bearbeiten der Blätter zur Verbesserung einzelner Klangbestandteile ist ein komplexerer Vorgang, der im Buch "Der persönliche Saxophonsound" von David Liebman (Chili Notes Musikverlag) genau beschrieben wird.

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2. Welche Blattmarke, welches Blatt?

Am Markt gibt es eine immer größere Auswahl an Blattherstellern, die tatsächliche Auswahl ist oft aber wegen Lieferproblemen der kleineren Hersteller geringer als man annimmt. Den "Massenmarkt" teilen sich die Hersteller "Rico", "La Voz" (beide Boosey-Gruppe) und Vandoren. Rico bietet drei Qualitäten an, die vom Hersteller den verschiedenen Spielstufen zugeordnet werden. Dies halte ich für einen Fehler, denn gerade der Anfänger braucht gute Blätter, um nicht der Verzweiflung anheimzufallen, der schlechte Ton wäre immer nur seine Schuld. Sicher, wer jahrelang mit Betonkugeln am Bein herumläuft wird mal ein guter Bergsteiger, aber muß das so sein? Ich sage also: Gute Blätter sind Plicht, und hier sind 1,30 EUR pro Blatt Aufpreis eine gute Investition!

Gute Blätter zeichnen sich vor allem durch gut abgelagertes Holz aus, das man beim eindrücken des Holzes mit dem Fingernagel sofort erkennt: Es gibt nicht nach, während bei jungem Holz sofort ein "Eindruck" entsteht. Aber Vorsicht: Eingedrückte Blätter muß man trotzdem bezahlen! An dieser Stelle muß noch mit einem alten Märchen aufgeräumt werden: Blätter mit Holzeinschlüssen klingen nicht schlechter als die "weißen" und "makellosen", die grundsätzliche Holzqualität ist viel wichtiger!

Die Spitzenklasse bei Rico sind für Jazz- und Popmusiker die Blätter "Rico Jazz Select", für Klassiker die Blätter "Grand Concert", die im Vergleich zu Vandoren etwas leichter ausfallen. Die "Jazz Select" bestechen durch Gleichmäßigkeit von Blatt zu Blatt, eine sehr gute Holzqualität und genauen Schnitt, der langwieriges nachschleifen erspart. Guter Sound, brilliant, voluminös und in allen Lagen gleichmäßig. "Rico Royal" sind in Sachen Qualität gerade noch tolerierbar, während die "normalen" Ricos doch arg schlecht sortiert sind.

La Voz unterteilt seine Blattstärken nicht nach Zahlen sondern von "Soft" bis "Hard". Die Qualität der Blätter schwankt stärker, als bei der Firma Rico, aber mit entsprechendem Bearbeitungsaufwand kommt man zu befriedigenden Ergebnissen. Wie man sieht, ich steh nicht drauf . . .

Vandoren ist die zweite "Macht" auch in Sachen Qualität. Hier gibt es keine "Einsteigerblätter" sondern nur verschiedene Blattstile, die für die unterschiedlichen Spieltechniken entworfen wurden. "Blau" (oder auch Paris genannt, dabei meint das nur den Sitz der Firma) für die Klassik, "Java" für Jazz und "V16" für Rock und Pop. Alle Blattsorten sind hervorragend und ausgeglichen, wenn man auch bei Vandoren saisonal immer wieder Schwächen bei der Holzqualität bemerken kann.

Ein kleinerer Hersteller, der in den letzten Jahren neu auf den Markt gekommen ist, ist "Brancher", gute Blätter, die für Freunde des jazzigen Grundsounds genau das richtige sein dürften. "Alexandre" ist eine neue Blattmarke mit charakteristisch-warmem Grundsound und schönem Metalletui. Man kriegt die Blätter jedoch nur selten zu Gesicht . . . Glotin stellt Blätter für Klassiker her, muffelig, rauh, speziell . . .

An dieser Stelle sollen die Kunststoffblätter Fiberreed von Hartmann nicht unerwähnt bleiben: Die Dinger halten fast ewig, klingen allerdings sehr hart und wuchtig.Für ambitionierte Rocker und Funker eine Versuchung wert!

Am Ende entscheidet natürlich euer Geschmack, wenn ihr mal was neues (und gutes) auftreiben solltet laßt es mich wissen!

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3.Growling

Für alle, die es noch nicht von den Spatzen zugeflüstert bekommen haben: Growling ist das, was der Laie als "schreiend" oder "rauh" im Saxophonton zu beschreiben versucht. Blues, Rock'n Roll oder R&B sind ohne diesen Effekt nicht denkbar. Wie gehts? Singe in dein Saxophon hinein, während du spielst, egal welche Frequenz, einfach reinsingen und der Ton wird automatisch rauh - und wild! Aber aufgepasst: Der Ton haut ganz schnell ab und wird inkonsistent, eine sichere Tonbildung ist also Voraussetzung für gutes growling.

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4. Zügiger Wechsel für die kleinen Finger

Für alle, die beim rumgerutsche von Tief-H zu Tief-Bb und weiter auf Tief-Cis und rechts von Tief-C auf Tief-Eb schier wahnsinnig werden: 1. Üben hilft und 2. wenn es nicht so recht läuft mit dem kleinen Finger (je nachdem welchen ihr gerade braucht) unter dem Auge (NICHT ins Auge) fest entlangfahren. Ihr werdet merken, es läuft sofort besser - allen Tagescremes zum Trotz hat jeder genug Fett auf dieser Hautstelle, um damit den kleinen Finger regelrecht zu ölen!

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5.Welche Übungsliteratur hilft wirklich?

Man findet bei den Musikalienhändlern zunehmend Literatur die euch verspricht, heute ein Anfänger, morgen aber schon Charlie Parker zu sein (natürlich nur im übertragenden Sinne, Zauberbücher gibts woanders). Die wirklich wirksamen Übungen sind jedoch älter als der ganze Softiekram, verzeiht mir diesen unqualifizierten Ausdruck, der mittlerweile die Regale verstopft. Wer richtig übt kommt schneller zum Ziel, da helfen auch blümerante Formulierungen nicht weiter. Wenn ihr also genauso wenig Zeit habt wie ich und bereit seit, über euren bequemen Schatten zu springen dann traut euch! Etüden sind eine schöne Beschäftigung, aber die Arbeit am Original macht noch mehr Spaß - wenn da nicht die technischen Hürden wären - die Lösung liegt im konzentrierten "Technikbrettern". Die folgenden Übungshefte haben einen weiteren Vorteil: Sie prägen euch nicht stilistisch, was ihr also später auf dem Saxophon damit anstellt, bleibt ganz und gar euch überlassen, nur gut laufen wird es, sehr gut sogar!

1. Beat Wenger's "Beinhartes Saxophontraining" Härte 1/2/3

2. Sigurd Rascher: Top Tones for Saxophone und die Fingerübungen

3. Div.Autoren: Patterns for Jazz

4. J.M.Londeix: Exercises Mechanique Band 1/2/3, Les Gammes und Le Detache

5. Slominsky: Thesaurus of Jazz Patterns and Scales

Diese Hefte bieten eine Menge "Fingerjogging" für wenig Geld und ersparen euch so manche Irrfahrt. Noch ein Tip: Immer chromatisch üben, d.h. wenn ihr eine technische Idee, eine Tonleiter, Arpeggio etc. übt dann tut dies in allen Tonarten, nicht nur in den bequemen!

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6. Die Zirkularatmung - das kleine Wunder.

Zirkularatmung ist eine spezielle Atemtechnik, die von Blasinstrumentalisten angewandt wird,
um mit dem Blasinstrument sehr lange ununterbrochene Töne zu spielen.

Normalerweise entspricht die längste Dauer eines Tones auf einem Blasinstrument einer Lungenfüllung, danach muß man wohl oder übel Luft holen - und dies führt bei fast allen Blasinstrumenten (außer der Mundharmonika) dazu, daß der Ton endet.
Mit Zirkularatmung ist man jedoch in der Lage, einen gewissen Luftvorrat im Rachen- und Mundraum anzulegen und in das Mundstück einfließen zu lassen, während man gleichzeitig durch die Nase einatmet.Mit täglich 10 Minuten Übung kann man das erlernen! Du profitierst von den Übungen der Zirkularatmung so umfassend für Dein gesamtes Spiel, daß es am besten ist, wenn Du möglichst früh damit beginnst.

Zirkularatmung kommt selten zum Einsatz, und ob es musikalisch wirklich interessant ist über einige Minuten einen Ton auszuhalten, sei dahingestellt - das Erlernen der Zirkularatmung hat ganz andere entscheidende Vorteile: Man setzt sich mit der Atmung und ihrer Bedeutung auseinander! Die Zirkularatmung erfordert eine starke Zwerchfellatmung und läßt den Bläser gut fühlen, wie diese funktioniert. Dies wiederum verbessert allgemein die Atemtechnik und damit unmittelbar den Klang und dessen Gleichmäßigkeit. Die eigentliche Problematik liegt nicht in der Zirkularatmung an sich oder im Erlernen derselben, denn diese kann man innerhalb kürzester Zeit erlernen. Problematisch ist vielmehr das "Umschalten" vom Ausblasen des Luftvorrates im Mund auf das Ausblasen der Lungenluft. Genau an diesem Punkt passiert es, speziell wenn man ein Mundstück "im Mund" hat, daß sich der Ansatz stark verändert und der Luftfluß/Ton schwankt. So ist diese Übung auch ein wertvoller Beitrag zum Erlernen der Ansatzstabilität.

Erster Schritt zur Zirkularatmung

Nimm ein normales Wasserglas, fülle es mit Wasser, nimm einen Strohhalm. Blase jetzt langsam durch den Strohhalm in das Wasser, so daß die Luftblasen gleichmäßig nach oben aufsteigen. Wähle am Anfang einen dünnen Strohhalm. Versuche jetzt, die Wangen mit möglichst viel Luft zu füllen und trotzdem gleichmäßig weiterzublasen.Wenn Du das kannst, dann stoppe die Luftzufuhr aus der Lunge und blase einfach mit dem Luftvorrat den Du in den Wangen gespeichert hast weiter, bis dieser aufgebraucht ist. Wiederhole dies einige Male bis Du es möglichst gleichmäßig beherrscht. Wenn Du das Gefühl hast, daß die Wangen wieder voll aufgeblasen und die Lungen etwa halb leer sind, dann versuche durch die Nase einzuatmen und gleichzeitig mit dem Luftvorrat aus den Wangen weiterhin den Luftstrom im Strohhalm aufrechtzuerhalten. Übe dieses bis Du es sicher kannst.

Jetzt kommt der Punkt, an dem Du nach dem Einatmen durch die Nase wieder auf Ausatmen umschalten mußt, aber nicht durch die Nase, sondern wieder durch den Mund - der Luftstrom durch den Strohhalm darf nicht abreißen! Fülle beim Ausatmen wieder die Wangen mit Luft, damit Du beim nächsten Zyklus genug Luft gespeichert hast. Der nächste Zyklus beginnt immer dann, wenn die Lungen nur noch zur Hälfte gefüllt sind.

Wenn Du das kannst, hast Du die Zirkularatmung im Prinzip schon gelernt. Wenn Du willst, kannst Du jetzt einen dickeren Strohhalm benutzen. Damit wird die Zeit, in der sich die Wangen entleeren, kürzer und somit auch die Zeit, die Du zum Einatmen hast. Erst wenn Du diese Übung sicher beherrscht, solltest Du zu nächsten übergehen.

Zweiter Schritt zur Zirkularatmung

Ein wichtiger Punkt bei der Zirkularatmung ist, daß Du die Luft, die in den Wangen und im Rachenraum gespeichert ist, gleichmäßig durch das Mundstück ausströmen läßt. Da dies am Anfang mit Luft schwer zu erlernen ist, übe es jetzt mal mit Wasser. Stelle Dich dazu an ein Waschbecken und fülle Deinen Mund so voll wie möglich mit Wasser. Öffne jetzt ein wenig Deinen Mund und lasse das Wasser in einem dünnen Strahl aus dem Mund laufen. Beobachte dabei den Wasserstrahl und versuche, diesen möglichst gleichmäßig zu halten. Übe so lange, bis Du es sicher kannst. Versuche dabei auch gleichzeitig durch die Nase ein- und auszuatmen, sei aber vorsichtig, daß Du Dich nicht dabei verschluckst.

Dritter Schritt zur Zirkularatmung

Wie Du sicherlich in den vorhergehenden Übungen gemerkt hast, funktioniert das Aufblasen der Wangen nur dann, wenn die Mundöffnung relativ klein bzw. der Strohhalm relativ dünn ist. Bei der nächsten Übung sollst Du lernen, mit Deinem Saxophon einen gewissen Druck in den Wangen aufzubauen. Nimm jetzt Dein Instrument und spiele irgendeinen Ton im mittleren Register. Während Du den Ton spielst, versuche die Bahnöffnung zwischen Blatt und Mundstück so weit zu verkleinern, daß der Druck in den Wangen ansteigt und diese dick werden. Dabei soll der Klang möglichst unverändert bleiben! Auch wenn es nicht richtig ist, mit "dicken Wangen" zu spielen, so ist es doch gerade am Anfang wichtig, so zu üben. Später, wenn Du die Zirkularatmung beherrscht, wird Dir der Luftvorrat im Rachenraum reichen, am Anfang ist dieser Vorrat jedoch noch zu klein.

Vierter Schritt zur Zirkularatmung

Wenn Du jetzt spielst und schöne dicke Wangen hast unterbreche abrupt das Ausatmen aus der Lunge und lasse jetzt nur noch die Luft aus den Wangen ausströmen bis diese ganz leer sind. Achte darauf, daß der Klang deines Saxophons möglichst lange konstant bleibt. Die Probleme, die Du dabei in den Griff bekommen mußt, haben wenig mit Zirkularatmung, dafür um so mehr mit Deinem Ansatz zu tun. Es ist nämlich gar nicht so einfach, den Luftvorrat gleichmäßig in das Mundstück einströmen zu lassen und den Klang dabei nicht zu verändern, während sich die Wangen immer mehr zusammenziehen. An dieser Stelle der Übungen solltest Du jetzt versuchen, Deinen Rachenraum wahrzunehmen. Versuche dabei auch, im Rachenraum soviel Luft wie möglich zu speichern. Du machst Dich ganz nebenbei auch mit Deinem Kehlkopf vertraut, der ja eine ganz besondere Bedeutung beim spielen der tiefen Töne hat. Viele Leute haben große Probleme, tiefe Töne auf dem Saxophon zu spielen, weil sich durch einen natürlichen Reflex der Kehlkopf verengt, sobald man das Mundstück in den Mund nimmt. Da aber besonders tiefe Töne einen großen Resonanzraum benötigen, kann man diese kaum mit einem verengten Kehlkopf spielen.Übe dieses alles sehr intensiv, damit die Spieldauer mit der Luft in Deinem Mund möglichst lang wird. Denn nur diese Zeit hast Du später, um durch die Nase einzuatmen!

Fünfter Schritt zur Zirkularatmung

In der jetzigen Übung wirst Du Dich mit dem Einatmen befassen. Wie Du in den vorhergehenden Übungen bemerkt hast ist die Zeit, die Du zum Einatmen hast, recht kurz. Erschwerend kommt noch hinzu, daß Du durch die Nase einatmen mußt, was einen zusätzlichen Atemwiderstand bedeutet. Du solltest einatmen, wenn die Lunge etwa noch zur Hälfte gefüllt ist. Dies ist sehr wichtig, damit Du nicht eventuell anfängst zu hyperventilieren (dann atmest Du zu schnell und zu flach) oder aber die Lunge so leer ist, daß der Einatmungsvorgang zu lange dauern würde. Damit Du in einem möglichst kleinen Zeitintervall möglichst viel Luft in Deine Lungen bekommst, mußt Du in dieser Übung lernen mit dem Zwerchfell zu atmen. Denn nur mit dem Zwerchfell bist Du in der Lage die Kraft und Schnelligkeit aufzubringen um dies zu erreichen.Wenn Du "normal" einatmest, dann weitet sich der Brustkorb, die Schultern heben sich an und der Bauch kommt etwas hervor. Wenn Du jetzt versuchst mit dieser Atemtechnik möglichst schnell einzuatmen wirst Du merken, daß es nicht funktioniert - es geht zu langsam. Das Zwerchfell ist ein Muskel und befindet sich direkt unterhalb der Lungen und des Brustkorbs. Versuche einmal, nur mit dem Bauch zu atmen und nicht mit dem Brustkorb oder den Schultern. Der Bauch sollte beim Einatmen dicker werden. Atme jetzt mit dem Bauch stoßweise ein, ohne daß sich der Brustkorb wölbt oder die Schultern heben. Besonders beim stoßweisen Einatmen fängt man an, sein Zwerchfell wahrzunehmen. Übe diese Art des Einatmens ausführlich! Sie ist sehr wichtig für das Funktionieren der Zirkularatmung.

Sechster Schritt zur Zirkularatmung

Du bist jetzt an dem Punkt, wo Du den gesamten Zirkularatmungszyklus durchlaufen lassen kannst. Übe folgendes: Spiele einen Ton im mittleren Register und blase dabei die Wangen und den Rachenraum möglichst weit auf. Spiele, bis die Lunge etwa noch zur Hälfte gefüllt ist. Unterbreche jetzt das Ausatmen und lasse die Luft aus dem Mundraum in das Mundstück strömen. Gleichzeitig atme kurz und stoßweise mit der Zwerchfellatmung durch die Nase ein. Schalte jetzt wieder auf Ausatmen um, aber nicht durch die Nase, sondern durch den Mund. Beginne wieder, Deine Wangen und Deinen Rachenraum beim Spielen aufzufüllen.Damit hast Du einen Zyklus durchlaufen, den Du jetzt beliebig oft wiederholen kannst.

Auftretende Probleme

Deine Zeit zum Einatmen ist nur so lang wie Du es schaffst mit dem Luftvorrat im Mund den Ton aufrechtzuerhalten. Daher ergeben sich zwei Ziele beim Üben: Zum einen verbessere Deinen Ansatz dahingehend, daß Du mit möglichst wenig Luft einen schönen tragenden Klang erzeugen kannst und zum anderen verbessere Deine Zwerchfellatmung so, daß Du es schaffst, möglichst schnell einzuatmen. Durch das Speichern der Luft im Mundraum ergeben sich zwangsläufig Änderungen des Ansatzes und des Klanges. Auch hier zeigt sich, daß - je länger Du regelmäßig übst - eine Entkopplung vom Ansatz erlernbar ist. Je besser Du die Zirkularatmung beherrscht, um so weniger Luft mußt Du zwischenspeichern. Später wird Dir die Luft im Rachenraum ausreichen und Du mußt die Wangen nicht mehr aufblasen.Das schnelle Einatmen mit dem Zwerchfell ist ein Kraftakt, der den ganzen Körper mit einbezieht und damit natürlich auch zu Klangänderungen führt. Im Laufe der Zeit wird das Einatmen aber geschmeidiger und die Zyklusabläufe weicher.Ein Problem bleibt immer das Umschalten auf das Lungenausatmen, da es hier zu einem plötzlichen Druckanstieg im Mundraum kommt. Auch dies wird im Laufe der Zeit geschmeidiger, läßt sich aber nicht ganz eleminieren. Man kann dieses Problem aber ganz gut überspielen, indem man den Zirkularzyklus mit den Taktschwerpunkten synchronisiert und genau zu diesem Zeitpunkt eine kleine Umspielung oder einen Lauf einbaut. Spielt man sehr viele Zyklen hintereinander kommt man trotzdem irgendwann an den Punkt, wo es auch mit Zirkularatmung nicht mehr weitergeht. Der Drang mal wieder richtig tief einzuatmen wird einfach zu groß.

Da bleibt nur eins: richtig tief durchatmen!

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7. Die lieben Nachbarn - wann darf man wirklich üben?

Ein Thema, das wirklich jeden interessiert der nicht gerade im Schrank üben möchte.
Seit Erfindung des Mietshauses gibt es das "Toleranzproblem" zwischen aktiven Musikern
und solchen, die sich mit der Bedienung von CD/DVD/Analogplattenspielern bzw.
Radiogeräten zufrieden geben. Manche dieser Zeitgenossen möchten partout nicht
einsehen, daß die Musik, die tagtäglich aus dem Radio quillt,tatsächlich von Menschen
gespielt wurde die diesen Beruf oder dieses Hobby gelernt haben und zu diesem Zwecke
üben mußten ... Andererseits gibt es Menschen, die ihren etwas irrationalen und freien
Lebensstil in Sachen Musik grundsätzlich auf ihre Umwelt übertragen wollen und diesem
lautstark mit nächtlichen Jamsessions Ausdruck verleihen.

So gibt es also eine feste Fanschar, die sich regelmäßig in schmucklosen Räumen
versammelt um sich von Talargewandeten Damen und Herren die Leviten lesen zu lassen.
Diesen Fundamentalmusikalisten und Fundamentalantimusikalisten verdanken wir eine Reihe
von höchstrichterlichen Urteilen, die Euch nun in aller Deutlichkeit vor Augen führen
sollen was Ihr dürft und was nicht. An dieser Stelle sei Julian Kümmel aus Wiesbaden
auf das herzlichste gedankt, der mit seinen Recherchen zu dem Thema viel Licht ins
Dunkel gebracht und so manchen viel Sorge von der Seele genommen hat.

Riskiert nicht durch Intoleranz, daß der Nachbar mit der abgesägten Schrotflinte vor
eurer Tür erscheint - aber wenn er einer "außergerichtlichen Einigung" nicht zustimmt,
dann sollte er diese Zeilen zuvor lesen - die Anwaltskosten kann er sparen ...!

Bundesgerichtshof in Karlsruhe

Das Musizieren gehört zu den Grundrechten des Menschen und kann deshalb nicht grundsätzlich verboten werden! Dieses wurde erst kürzlich wieder vom Bundesgerichtshof (AZ. V ZB 11/98) bestätigt.

BGH verbietet Diskriminierung von Musikern im Haus = Karlsruhe (Reuters) - Singen und Musizieren darf durch eine Hausordnung nicht stärker beschränkt werden als Fernsehen und Musikhören. Mit diesem am Donnerstag veröffentlichten Urteil gab der Bundesgerichtshof (BGH)
http://www.uni-karlsruhe.de/~BGH
in Karlsruhe einem Saxophonspieler Recht. Der Mann war in der Eigentümerversammlung seiner Wohnanlage überstimmt worden und deshalb gegen die Hausordnung vor Gericht gezogen.. Sie verbot ihm das Musizieren in der Mittagszeit und abends ab acht Uhr.

Oberlandesgericht Frankfurt / Landgericht Frankfurt

Wer ein Instrument spielt, muss ein nicht geringes Übungspensum bewältigen - und das erst recht, wenn er Berufsmusiker ist. Für die Nachbarn oft mehr als nur ein lästiges Geräusch. Hier sollte ein Mittelweg gesucht werden, der beiden Interessen Rechnung trägt:

Am besten ist es, wenn bestimmte Übungszeiten vereinbart werden. Das beseitigt den psychisch belastenden Erwartungsdruck, dem jeder ausgesetzt ist, der nur darauf wartet, wann er wieder vom Musiklärm überfallen wird.

Die oben erwähnten nächtlichen und mittäglichen Ruhezeiten müssen unbedingt beachtet werden.

Die Zeitspanne, in der ein nicht auf Zimmerlautstärke beschränkbares Üben zulässig ist, wird allerdings von den Gerichten ganz unterschiedlich bemessen. So hat das Oberlandesgericht Frankfurt/Main die Obergrenze für Klavierspiel mit 1,5 Stunden täglich gezogen. Das Landgericht Frankfurt/Main hielt hingegen sogar 5 Stunden für zulässig. (Wohnungswirtschaft und Mietrecht 1984 S. 303 und 1990 S. 287, Staudinger, Kommentar zum BGB, Randnummer 91 zu § 535).

Das Urteil aus Berlin

Danach gilt von 22 bis 6 Uhr die Nachtruhe und von 13 bis 15 die Mittagszeit; es ist generell verboten, Lärm zu verursachen. Auch an Werktagen von 6 bis 7 Uhr und von 20 bis 22 Uhr sowie an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen gilt es, Ruhe zu bewahren. Allerdings gibt es für die Hausmusik laut Rechtsprechung eine Ausnahme: Die Benutzung von Musikinstrumenten ist in Wohnungen an allen Tagen - also auch an Feiertagen - während der Zeit von 7 bis 20 Uhr für zwei Stunden erlaubt; selbst Berufsmusiker müssen sich an die zeitliche Beschränkung halten.

Landgericht Kleve / Oberlandesgericht in Hamm

Wurde nicht von vornherein eine Regelung getroffen, gilt das Prinzip, "dass privat betriebene Hausmusik (...) von jeher in Wohnvierteln üblich und daher grundsätzlich als ortsüblich zu dulden ist." (LG Kleve 01.10.1991 - 6 S 70/90; DWW 92, 26, 27). Das Gericht hatte hier darüber zu entscheiden, inwieweit das Spielen eines Akkordeons zulässig sei. Es ist für den zugrundeliegenden Fall zu dem Ergebnis gelangt, dass etwa "eine Beschränkung auf Zimmerlautstärke nicht in Betracht" komme, da dies "beim Spielen mit dem Akkordeon (...) praktisch einem Verbot des Musizierens gleich" komme ( vgl auch Beschluss des OLG Hamm 10.11.1980 - 15 W 122/80 für das Klavierspiel).

Jedoch sei selbst eine "als sozialadäquate und ortsüblich einzustufende Beeinträchtigung (...) zu der Zeit unzumutbar, zu welcher man sich üblicher Weise zur Ruhe begibt." Diese Zeit wurde im vorliegenden Fall zwischen 22.00 Uhr und 9.00 Uhr sowie zwischen 13.00 Uhr und 15.00 Uhr angesiedelt. Darüber hinaus hat das Gericht die Zeit des Akkordeonspielens zur Regelung der widerstreitenden Interessen der Parteien auf maximal 1 1/2 Stunden festgelegt.

Landgericht Nürnberg

Auch wenn Rechtsprechung und Schrifttum generell von einer zulässigen Dauer des Musizierens von "je nach den Umständen des Falles 2 oder mehr Stunden" ausgehen (OLG Hamm 10.11.1980 - 15 W 122/80; NJW 81, 465, 466), ist dies lediglich als Rahmen zu bewerten. Gehen die mit dem Instrument verursachten Geräuschimmissionen - wie etwa beim Schlagzeug - über das Maß der "üblichen Hausmusik (Klavier, Violine, Klarinette u. dgl.) hinaus, kann unter Umständen sogar eine zeitliche Beschränkung des Spielens auf 90 Minuten pro Tag möglich sein (LG Nürnberg - Fürth 17.09.1991 - 13 S 5296/90). Abhängig von den Umständen des Einzelfalles können Gerichte aber auch zu einer abweichenden Beurteilung gelangen.

Oberlandesgericht München

Ist die Musikausübung beispielsweise in einer mietvertraglich vereinbarten Hausordnung festgelegt, sind die hier getroffenen Regelungen maßgeblich, es sei denn, es handelt sich um "Einzelfälle (...), die (...) auf Grund des Gebotes von Treu und Glauben im Rechtsverkehr einer vom Grundsatz abweichenden besonderen Behandlung bedürfen." (OLG München 21.01.1992 - 13 U 2289/91; DWW 1992, 339). Dies hat zur Folge, dass sich der Musikausübende (hier Geigenspiel) an die in der Hausordnung festgelegten Zeiten halten muss. Gleichzeitig folgt aus der Hausordnung umgekehrt jedoch sein "Recht auf Duldung des Musizierens (durch andere Mieter) während der in der Hausordnung geregelten Zeiten."

Oberlandesgericht Stuttgart

Aalen. Ein Saxophonspieler störte die 3Ruhe„ in einem Mehrparteienhaus durch seine Hausmusik. Also wurde in einer Eigentümerversammlung mehrheitlich beschlossen, daß in der Zeit von 12.00 ˆ 14.00 Uhr und von 20.00 ˆ 8.00 Uhr nicht musiziert werden dürfe, und in der übrigen Zeit nur in nicht belästigender Weise und Lautstärke. Hiermit war der Hobbymusiker nicht einverstanden und ging vor Gericht. Die Miteigentümer bekamen recht. Er darf während der Mittagszeit sowie nachts und am frühen morgen nicht spielen. Die meisten Gerichte meinen, die Nachtruhe beginnt um 22.00 Uhr. Das OLG Stuttgart jedoch meint, die abendliche Ruhe habe Vorrang, also muss der Musiker seine Übungen bis 20.00 Uhr abgeschlossen haben, da er auch keinerlei Gründe für ein notwendigerweise längeres Üben angegeben hatte.

Quelle: Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart, 8 W 68/97 Focus Online

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8. Der verklemmte Ansatz - weg damit!

Ihr kennt das Problem - 20 Minuten gespielt und die Unterlippe schmerzt daß man denkt man hätte sich bereits durchgekaut. Dabei muß das nicht sein. Viele erlernen ihre Ansatztechnik von Klarinettisten, die dem Irrglauben anhängen, Saxophon sei quasi das "Zweitinstrument" zur Klarinette und hätte somit denselben Ansatz .... nun ja, mit klarem Verstand betrachtet bleibt da nicht viel gemeinsames, Zylindrischer Holzkorpus mit anderem Griffsystem und - anderem Ansatz! Der Klarinettist neigt zum "Lächeln" während er spielt, das wird schnell unangenehm da die vorherrschende Kieferspannung die Unterlippe stark belastet.

Die RINGSPANNUNG, die der Saxophonist quasi ausschließlich mit der Lippenmuskulatur erzeugt, ist deutlich belastungsfreier und ermöglicht es, die entstehende Schwingung im Rachenraum auf den Gaumen und über diesen in die Nebenhöhlen zu lenken - der Klang wird größer, fetter. Mit dem Laut "O" (Engl. "Four" sprechen") bzw. mit einer Lippenform die dem Pfeifen entspricht (am besten einen tief und streng gepfiffenen Ton denken!) - oder der berühmten Aussage der Queen "we are not amused" (Mundwinkel nach unten!) werdet ihr schnell zum Ziel kommen: Das Kinn streckt sich nach unten, die Zunge sinkt in den Kehlsack, das Gaumensegel hebt sich. Die Lippen umschließen den Ansatz kreisförmig und fest, die Zunge berührt das Blatt von unten in einem Winkel von ca. 45 Grad. Dann Druck aufbauen, der Kehldeckel bleibt IMMER geöffnet, Zunge lösen und der Ton erklingt augenblicklich.

Dann versucht, den Ansatz so weit zu lockern bis der Ton exakt einen Halbton tiefer ist als gegriffen (z.B. H bis zum Bb fallen lassen), dann den Ton wieder bis zur "richtigen" Tonhöhe anziehen. So lernt ihr, daß der Ansatz flexibel sein kann und ihr euch nicht ins Mundstück verbeißen sollt. Für besonders harte Fälle: Das Mundstück um 90 Grad drehen, dann steht es völlig quer zum Mund. Jetzt versucht, einen Ton zu blasen, aber OHNE euch total zzu verrenken, die Körperhaltung bleibt gleich nur den Kopf dürft ihr leicht drehen. Dann wieder in die ursprüngliche Haltung gehen - euer Ansatz ist deutlich lockerer geworden. Klar, weil die Kopfdrehung auch bewirkt, daß ihr das Kinn nach unten zieht, um überhaupt einen halbwegs normalen Ton zu spielen ...!

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